12. Januar 2017

Vermächtnis und Pflichtteil

Wenn der Pflichtteilsberechtigte ein Vermächtnis erhält, hat er ein Wahlrecht. Er kann entweder das Vermächtnis nehmen und sich ggf. den Restbetrag zur Höhe des Pflichtteilsanspruchs in Geld auszahlen lassen. Oder aber er kann das Vermächtnis ausschlagen und seinen vollen Pflichtteilsanspruch einfordern.

Dazu das Gesetz:
§ 2307 BGB Zuwendung eines Vermächtnisses
(1) Ist ein Pflichtteilsberechtigter mit einem Vermächtnis bedacht, so kann er den Pflichtteil verlangen, wenn er das Vermächtnis ausschlägt. Schlägt er nicht aus, so steht ihm ein Recht auf den Pflichtteil nicht zu, soweit der Wert des Vermächtnisses reicht; bei der Berechnung des Wertes bleiben Beschränkungen und Beschwerungen der in § 2306 bezeichneten Art außer Betracht.
(2) Der mit dem Vermächtnis beschwerte Erbe kann den Pflichtteilsberechtigten unter Bestimmung einer angemessenen Frist zur Erklärung über die Annahme des Vermächtnisses auffordern. Mit dem Ablauf der Frist gilt das Vermächtnis als ausgeschlagen, wenn nicht vorher die Annahme erklärt wird.
Beispiel:

Der Erblasser hat einen Sohn und eine Lebensgefährtin. Er setzt die Lebensgefährtin zur Alleinerbin ein, vermacht seinem Sohn aber ein Auto im Wert von 10.000 €. Der Nachlass beläuft sich auf 50.000 €.

Der Sohn hat einen Pflichtteilsanspruch in Höhe von 1/2 des Nachlasses nach Abzug der Nachlassverbindlichkeiten. Er kann wählen:

1. Entweder erhält er das Auto und 15.000 € oder

2. er erhält 25.000 € und kein Auto.

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